Die Reduzierung von Torf als fossiler Energieträger ist aufgrund der damit verbundenen Treibhausgasemissionen ein zentrales Thema der Energiewende. Die finnische Regierung hat ambitionierte Klimaziele definiert, um die Torfverbrennung im Land bis 2035 schrittweise vollständig abzubauen. In der Praxis treiben Energieunternehmen diesen Wandel jedoch deutlich schneller voran als gesetzlich gefordert. Torf wird in modernen Kraftwerken zunehmend durch CO2-neutrale Biomasse ersetzt. Diese alternativen Brennstoffe bringen jedoch veränderte physikalische Eigenschaften mit sich, die hohe Anforderungen an die installierte Anlagentechnik stellen. Tamtron begegnet diesen verfahrenstechnischen Herausforderungen mit jahrzehntelanger Projekterfahrung und innovativen Systemlösungen.
Schwefel zum Schutz des Brennstoffkessels vor Korrosion und Verschleiß
Der Verzicht auf Torf und die sukzessive Umstellung auf reine Biomasse erhöht das Risiko von Hochtemperaturkorrosion und Verschleiß in den Verbrennungskesseln der Kraftwerke drastisch. Um die Lebensdauer der kostenintensiven Kesselanlagen nachhaltig zu sichern, sind gezielte Gegenmaßnahmen erforderlich.
Dieses Korrosionsproblem lässt sich verfahrenstechnisch effizient lösen, indem dem schwefelarmen Biokraftstoff eine exakt definierte, geringe Menge an Schwefel beigemischt wird. Während des Verbrennungsprozesses oxidiert der Schwefel und bindet schädliche, chloridbildende Alkalien wie Natrium und Kalium. Selbst in großdimensionierten Biomassekraftwerken sind nur verhältnismäßig kleine Schwefelmengen notwendig, um das gewünschte chemische Gleichgewicht zu stabilisieren. Wichtig hierbei ist, dass der Schwefel nicht direkt in den Ofen eingebracht, sondern kontinuierlich und absolut gleichmäßig in den primären Brennstoffstrom eingemischt wird.

Der Schwefelverbrauch bestimmt die logistische Anlagenkonzeption
Die spezifischen Anforderungen von Kraftwerksbetreibern an die Schwefeldosierung variieren stark und hängen maßgeblich von der Produktionskapazität der jeweiligen Kesselanlage ab. Daraus resultieren unterschiedliche Anforderungen an die Lagerung und das Schüttguthandling vor Ort.
Bei einem hohen kontinuierlichen Verbrauch wird der Schwefel typischerweise per Silo-Lkw angeliefert und mittels Druckluft direkt in ein stationäres Lagersilo gefördert. Diese Schüttgutsilos müssen so konstruiert sein, dass ein Verklumpen des feuchtigkeitsempfindlichen Materials konsequent verhindert wird und der Silokörper den korrosiven Einflüssen dauerhaft standhält. Hochwertiger Edelstahl oder säurebeständiger Edelstahl bilden hierbei das verfahrenstechnische Fundament im Apparatebau.
Da das Befüllen des Silos pneumatisch erfolgt, sind leistungsstarke Staubabsaugungs- und Filtersysteme auf der Silodecke zwingend erforderlich. Zudem müssen sicherheitsrelevante Komponenten wie Füllstandssensoren, Überdruckventile und mechanische Explosionsschutzvorrichtungen nach ATEX-Richtlinien lückenlos integriert werden. Um Kondensatbildung und Feuchtigkeitseintrag effektiv zu verhindern, werden die Silos standardmäßig aktiv belüftet und optional mit einer elektrischen Begleitheizung ausgestattet.
Bei Kraftwerken mit geringerem Durchsatz wird der Schwefel meist flexibel in Big-Bags angeliefert. In diesem Fall genügen ein überdachter Lagerbereich für die Bevorratung sowie standardisierte Bag-Befüll- & Entladesysteme zur Prozessversorgung. Beim Handling und Heben der schweren Großgebinde steht die Arbeitssicherheit des Bedienpersonals im Fokus der Anlagenplanung.

Kontinuierliche Schwefeldosierung in Biokraftstoffe erfordert höchste Präzision
Da die Kesselanlagen permanent mit frischer Biomasse beschickt werden, erfordert die Additivierung eine kontinuierliche, absolut zuverlässige und messtechnisch exakte Dosierung. Die hochentwickelten Differenzialdosierwaagen (Loss-in-Weight-Feeder) von Tamtron sind für diese anspruchsvolle Aufgabe optimal ausgelegt. Die Dosiersysteme werden von den Projektingenieuren exakt auf die kundenspezifischen Durchsatzmengen dimensioniert und schlüsselfertig in Betrieb genommen.
Je nach den baulichen Gegebenheiten vor Ort kann das Dosiersystem entweder direkt in die bestehende Kraftwerksstruktur integriert oder als werkseitig vormontiertes, vollständig geprüftes Skim-Modul geliefert werden, was die Installationszeit vor Ort minimiert.
Obwohl elementarer Schwefel mechanisch leicht zu fördern ist, stellt die ATEX-Klassifizierung des hochentzündlichen Materials hohe Anforderungen an den Explosionsschutz. Zudem führt eine unkontrollierte Schwefelstaubentwicklung zu massiven Problemen in der Lager- und Betriebsumgebung.
Sämtliche Maschinen, Antriebe und Elektronikkomponenten entlang der gesamten logistischen Transferkette müssen zwingend der ATEX-Richtlinie entsprechen, um einen sicheren Betrieb in explosionsgefährdeten Staubatmosphären zu gewährleisten. Ein stabiles Raumklima ist zudem unerlässlich: Eine zu kalte oder feuchte Umgebung führt sofort zu Kondensation, was eine irreversible Verklumpung des Schwefels und eine beschleunigte Korrosion der Anlagenkomponenten zur Folge hat.
Die Energiewirtschaft befindet sich im permanenten Wandel. Um Strom und Wärme mit minimalen Emissionen und maximalem Wirkungsgrad zu erzeugen, müssen Kraftwerke flexibel auf wechselnde Brennstoffqualitäten reagieren können. Dies erfordert agile Systeme für das Materialflussmanagement. Tamtron projektierte prozesssichere Lösungen, die Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz im modernen Kraftwerksbetrieb perfekt vereinen.